
Wie doch die Zeit vergeht. Bald eine Woche ist das letzte Posting her und ich muss Euch doch noch über unseren letzten Tag berichten. Mal sehen, dass ich das noch alles zusammen kriege.
Am letzten Vorlesungstag erwartete uns mit Branding noch ein anderes Thema, obwohl die Branche "Entertainment" gleich blieb. Wie unterschiedlich unsere Vorlieben sind, wurde bereits bei der Vorstellungsrunde klar, als wir unsere Lieblingsmarke nennen sollten und warum wir diese besonder schätzen. Besonders gut gefiel mir "Lindt, denn das Leben ist zu kurz für billige Schokolade". Aber auch die Liebe zum
FC St. Pauli konnte ich durchaus nachvollziehen, denn welcher Fußballverein zieht sonst schon freiwillig Trickots in Tarnfleck an, gibt sich "Hells Bells" von AC/DC als Hymne und trägt einen Totenkopf in der Flagge? Dennoch gibt es am Millantor - zu Beginn der Reeperbahn die treuesten und kreativsten Fans!
Andrea und Julian Hollingshead geben uns einen Überblick über strategische Markenkommunikation und Marketingkommunikation im Entertainmentsektor, außerdem Einsichten in die Trends des Marketing innerhalb von Spielen. Es zeichnet sich ein Wandel ab von der reinen Push-Kommunikation hin zu interaktiver Einbindung der Konsumenten. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Video-Clips auf der Webseite von
Converse. Schaut Euch doch noch weitere Clips unter "Made by You" an. Mir hat der eine oder andere sehr gut gefallen.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass sich Converse zusammen mit einigen anderen Marken im Kampf gegen AIDS in Afrika engagiert. Wer die Kampagne
(product) Red unterstützen möchte, kauft die "roten" Produkte der unterschiedlichen Marken und die Firma spendet einen gewissen Teil des Kaufpreises. Dazu gehören unter anderem GAP T-Shirts, der neue rote iPod Nano oder eine rote Amexco Kreditkarte.
Danach haben wir besonders gelungene Kampagnen analysiert, z.B. die zum Apple iPod. Nicht so neu war hingegen, dass man immer auf konsistente Kommunikaiton achten sollte. Das haben wir in Deutschland auch schon überrissen. Die Fallstudie zu Song Airlines legte völlig klar, warum das Konzept nicht funktionieren konnte. Grundsätzlich hat man ja die Möglichkeit, eine völlig neue Marke aufzubauen, was hier gemacht werden sollte. Das ist aber ziemlich teuer und bei starkem Wettbewerb auch recht schwierig. Andererseits kann man auf eine bewährte Marke setzen und diese einbinden. Das wäre sicher eine bessere Option gewesen, denn die Muttergesellschaft Delta Airlines hatte ein gutes Standing. Aus den Fehlern von Song kann man folgendes ableiten:
- Zielgruppe genau definieren und auf Plausibilität überprüfen
- den Wettbewerb beobachten und aus ihren Erfolgen und Fehlern lernen
- über alle Kreativität nicht den Zweck der Kampagne aus den Augen verlieren
- Gefahren und Risiken erkennen, einschätzen und einen Plan B in der Schublade haben
- Erfolg messen und ggfs. Kampagne anpassen
In der verkürzten Mittagspause präsentierte uns Dr. Sievert einige aktuelle Forschungsergebnisse. Dann ging es in Sachen Entertainment wieder in die Vollen. Anhand von verschiedenen Filmplakaten wurde die Strategie analysiert, die bei der Bewerbung der einzelnen Filme verfolgt wurde. Ein völlig neues Produkt wurde bei "My big Greek Wedding" gefahren, während "Fluch der Karibik" auf das beliebteste Fahrgeschäft von Disney aufbaute (nicht wie ich fälschlich dachte auf der Prominenz von Johnny Depp). Gewundert haben wir uns ein bißchen, dass der neue James Bond so überhaupt nicht auf die bekannten Faktoren setzt. Mal sehen, wie erfolgreich das war...
Eine besonders subtile Form des Marketing findet man in den Spielen. Am Beispiel von FIFA (E.A. Sports) wurde klar, dass hier die reale Werbewelt in die virtuelle übertragen wurde. Ehrlich gesagt wäre ich im Leben nicht draufgekommen, dass die Bandenwerbung in diesem Spiel ebenfalls verkauft ist. Ich dachte, das gehört einfach dazu, um eine möglichst wirklichkeitsnahe Abbildung eines Fußballspiels hinzukriegen. Andererseits setzen immer mehr Unternehmen eher auf subtile Werbeformen, denn die klassischen verlieren immer mehr an Wirkung. Hat eigentlich jemand herausgefunden, wie das mit den Geldern der Trikotsponsoren läuft? Wenn ja, bitte kurzen Kommentar.
Ein kurzer Exkurs führte uns auch in die Welt von
Second Life. Noch kann ich mir ja nicht so recht vorstellen, was den Reiz dieser Schattenwelt ausmacht. Immerhin hat die Community über 1,4 Mio. registrierte Nutzer und ist gerade in den letzten Tagen von den klassischen Medien viel beachtet. So taucht Second Life in einem Artikel des Manager Magazin auf (leider derzeit nur kostenpflichtig abrufbar),
brandeins hat sich im August damit auseinandergesetzt und Springer plant, künftig virtuelle Zeitungen in SL zu verkaufen. Ich glaube, das sollte ich auch unbedingt mal ausprobieren, aber vermutlich erst nach den diversen Hausarbeiten.

Abends war dann große "Preisverleihung" im Lawson-Westen House, das vom Architekten
Eric Owen Moss designed wurde, und gleichzeitig das Zuhause unseres Professors Tracy Weston ist. Leckeres indisches Essen und interessante Gesellschaft gaben dem Abend die besondere Note und uns Gelegenheit, den einen oder die andere etwas besser kennen zu lernen und erste hoffentlich dauerhafte Kontakte mit den USA zu knüpfen. Dieses Designerhaus, das sogar in einem eigenen Bildband verewigt ist, war wirklich das richtige Ambiente für unser Abschlussessen und die Überreichung der Teilnehmerurkunden.
Und ehe wir uns versahen, waren die 10 Tage USA auch schon wieder vorbei. Der Abschied fiel wie immer schwer, als wir uns nach und nach im Stundenrhythmus Richtung Flughafen aufmachten. Vor uns mindestens 12 Stunden Reisezeit, ein Job, der wartete und Montags mit Jetlag wieder ausgefüllt sein wollte und eine Menge Hausarbeiten, die alle vor dem 23.12. erledigt werden müssen.
Einige werden sich wohl am nächsten Freitag zur Abschlussfeier der Class of 2006 sehen, aber sonst werden wir uns wohl in die Bücher vergraben und vor den Rechnern festwachsen.