CommuniBLOG

Dokumentation der USA-Reise im Rahmen des Executive MBA Programm Communicate der TU München und ein bißchen darüber hinaus.

Friday, November 10, 2006

Technik und Spiele

Am Vormittag steht Technik mit Francoise Bar auf dem Programm. Mit diesem winzigen charmanten französischen Akzent erklärt er uns die Entwicklungen im amerikanischen Internet auf der Basis der Technik, die jedoch enorme Auswirkungen auf die aktuellen Regeln hat. Je nachdem, ob ein Internet Service Provider (ISP) gleichzeitig einen TV-Kabelkanal betreibt oder zu einem Telefonnetzanbieter gehört, finden verschiedene Rechtsgrundlagen Anwendung.

Richtig spannend wurde es aber, als wir einen Einblick in die Welt von WiFi bzw. WLAN bekamen. Mit grünen und roten Dunstwolken wurden die offenen und geschlossenen Hotspots in bestimmten Regionen dargestellt. Und auf der späteren Busfahrt konnten wir uns davon überzeugen, dass man in wohlhabenden, dicht besiedelten Gebieten so gut wie immer eine Auswahl von Einwahlmöglichkeiten vorfindet – auch wenn diese rasend schnell wechseln und somit nicht wirklich geeignet sind. Aber wie uns Bo glaubhaft versicherte, gibt es bereits Geräte, die dafür sorgen, dass in solchen Fällen eine stabile Verbindung genutzt werden kann. Mit der gleichen Technologie könnte man aber in der Zukunft auch jeden Film in kleinen Stücken von anderen Autos streamen und ansehen. Sehr spannend waren auch die verschiedenen Schritte und Experimente – wie man versuchte, mit Pringles-Dosen Hotspots zu bauen oder wie in Entwicklungsländern die E-Mails zugestellt werden, wenn der Bus hält. Generell müssten die vorhandenen Breitbandnetzwerke besser ausgenutzt werden. So könnte man beispielsweise den Whitespace zwischen Kabelkanälen zur öffentlichen Nutzung freigeben.

Besonders faszinierend fand ich den ersten Einblick in die Social Mash-up Ecologies. Wenn Programme ihren Nutzern bestimmte Zugriffe gewähren, sind diese in der Lage, nützliche Zusatzfeatures für die Allgemeinheit zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen. Besonders geeignet scheint hier flickr zu sein. Egal, ob man jedes beliebige Wort aus Buchstabenbildern zusammensetzen will oder ob man nach Bildern in bestimmten Farben sucht die entsprechenden Programme sind bereits vorhanden. Das ist nun wirklich mal Technik, die begeistert. Hier die entsprechenden Links:

Latteart (die vergängliche Kunst des Milchschaums)
Flickr nach Tags
Bilder nach Farben

Nach einer Minipause machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zu E.A. Electronic Arts ist eine Firma, die Computerspiele entwickelt und vertreibt. Die Führung war ein wenig enttäuschend: Wir konnten lediglich die Kantine, das Fitness-Studio und die Sportmöglichkeiten sowie den Raum für die Qualitätskontrolle sehen. Letzterer war ziemlich düster und man kam sich als Executive MBAler schon recht alt vor zwischen all den 18 – 20-Jährigen, die dort die neuen Games noch einmal auf Herz und Nieren testen. Das anschließende Gespräch mit Tom Frisina war da schon viel anregender.

Es tat gut zu sehen, dass auch in einem Unternehmen wie Electronic Arts, das in einer jugendlichen Branche tätig ist und vorwiegend junge Mitarbeiter hat, einige Menschen arbeiten, die nicht mehr ganz zur eigenen Zielgruppe gehören. Nach dem obligatorischen Besuch im Shop werden sich vor allem die Kinder in unserer näheren Umgebung über einige Mitbringsel freuen können – und was noch fehlt, kommt hoffentlich wie versprochen von Tom.

Gleiches und Unterschiedliches
Neugierig geworden, habe ich auch zu Hause ausprobieren wollen, ob es öffentliche Hotspots gibt und wie es um die Bereitschaft der Deutschen zum Teilen bestellt ist. Sowohl im Büro als auch zu Hause absolute Fehlanzeige - kein einziges WLAN-Angebot kriege ich auf den Rechner. Da müssen wir wohl noch eine Menge lernen.

Nachdem ich ja nicht zu den Gamern gehöre, waren die Eindrücke bei EA Sports für mich besonders neu. Aber sensibilisiert durch die Gespräche vor Ort, bin ich nun auch offen für die Szene in Deutschland - und da hört man vor allem immer wieder die Forderung nach einem Verbot für Killerspiele. Diese sollen angeblich die Schuld an diversen Amokläufen haben. Machen wir es uns da nicht ein bißchen einfach? Erstens ist alles was verboten ist, besonders interessant und es ist ein Trugschluss, dass die Kids nicht sowieso dran kommen und zweitens muss den Jugendlichen anderweitig eine Perspektive geschaffen werden, um sie zu verantwortungsvollen Menschen werden zu lassen. Viel besser finde ich da schon die Aufforderung von Tom, sich ein spannendes Spiel für weibliche Erwachsene einfallen zu lassen. Das scheint zumindest in den USA ein riesiges Potenzial zu haben.

Auf dem Rückweg führte der nächste Shop-Stop auf dem Campus der USC fast dazu, dass Professor Krcmar nicht mehr rechtzeitig zum Flieger gekommen wäre. Ab jetzt betreut uns Herr Sievert für den Rest der Woche. Langsam aber sicher muss man sich Gedanken machen, ob all die Einkäufe noch in die vorhandenen Gepäckstücke passen oder ob man doch noch einen oder mehrere Koffer käuflich erwerben sollte.

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