CommuniBLOG

Dokumentation der USA-Reise im Rahmen des Executive MBA Programm Communicate der TU München und ein bißchen darüber hinaus.

Wednesday, November 08, 2006

Entertainment

Heute drehte sich alles um Entertainment, eine Industrie, in der wir uns alle nicht so wirklich sicher bewegen. Deshalb war es interessant zu hören, wie Kommunikationsmodelle, die bereits über 50 Jahre alt sind, auch noch heute auf eine Industrie angewendet werden können, die ständig im Wandel ist. Das gute alte Sender -> Message -> Receiver Modell dürfte zumindest den Kommunikationswissenschaftlern unter uns etwas sagen. Und „the long tale“ begleitet BWLer sicher ebenfalls schon eine Weile. Ein Überblick über die Historie des Copyright in den USA legt erste Unterschiede zu deutschen Standards offen. Die entsprechenden Geldströme machen dann noch einmal deutlich, dass selbst die strikteste Gesetzgebung nicht dafür sorgen kann, dass die Einkommensverhältnisse gerecht verteilt werden. Zu viele Mitspieler gibt es in diesem Prozess – und für den Künstler bleibt meist nur der kleinste Teil vom Kuchen. Aus den Strukturen der verschiedenen Zweige der Musikindustrie ergeben sich dann auch die verschiedenen zurzeit erfolgreichen Geschäftsmodelle. Doch all das wird in Frage gestellt, weil durch das Internet die bestehenden Prozesse überholt sind und völlig neue Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen. Inhalte werden nicht mehr nur von Künstlern geschaffen, sondern von einem Netzwerk, das auch aus den Hörern bestehen kann. Normale Speichermedien und damit der darauf installierbare Schutzmechanismus existieren nicht mehr. Eine dieser neuen Visonen ist die „Great Jukebox in the Sky“, die nur noch an der Verfügbarkeit mobiler Abspielgeräte mit entsprechendem Zugriff scheitert.

Einen Blick in die aktuellen Forschungsergebnisse der Massenkommunikation in den USA sowie einige mögliche Zukunftstrends folgten mittags. Danach sieht es nicht unbedingt rosig für die klassischen Zeitungen und einige Zeitschriften aus. Behaupten werden sich demnach vor allem die Hochglanzmagazine. Und auch auf dem Fernsehmarkt wird sich vermutlich einiges konsolidieren. Starker Zuwachs ist aber in den Communities zu erwarten. Allerdings werden diese hauptsächlich von Jugendlichen frequentiert und ähnlich wie bei Nachtclubs wechseln die Hotspots sehr schnell. Allerdings sind die Mitglieder einer Community meist auch sehr aktiv. Nur die wenigsten beschränken sich aufs Lurken (so eine Art Spannertum im Netz). Und auch hier tun sich wieder einige Unterschiede zu Deutschland auf: Prof. Cole gibt zu, dass der Mobilfunkmarkt (Klingeltöne, Messages …) in den USA noch recht unterentwicklet ist. Auch die bei uns so beliebten Quizshows mit Call-In haben die Staaten noch nicht erreicht. Heutzutage werden aufgrund der billigen Produktionskosten auch eher lokale Serien gedreht als amerikanische eingekauft und synchronisiert. Deshalb verkauft man eher Konzepte, die dann für den jeweiligen Kulturkreis adaptiert werden.

Jonathan Taplin intensivierte die Vison, wie immer schnellere Internetverbindungen, immer billigerer Speicherplatz und immer mobilere Zugriffsmöglichkeiten auf das Internet die Medien in der Zukunft verändern könnten. So gehören zu den zehn Dingen, die die Welt veränderten nicht nur der Fall der Berliner Mauer und die Open Source Bewegung, sondern auch Outsourcing, Offshoring und E-Commerce. Die Globalisierung wird vor allem durch die Reduzierung der Transaktionskosten vorangetrieben. Nur so ist es möglich, dass die McDonalds-Bestellung aus den USA von einem Mitarbeiter in Indien entgegengenommen und dann korrekt in Kansas zubereitet und ausgeliefert wird. Dazu müssen die Telefonkosten billig und die Verbindung stabil sein. Zudem ist es äußerst schwierig geworden, Eigentumsrechte durchzusetzen. Die Kosten hierfür sind meist höher als der Nutzen. Deshalb verändern sich Eigentumsrechte mehr hin zu einer Steigerung der eigenen Reputation. Die Unternehmen versuchen, dem Preisverfall durch Bundle-Angebote entgegenzuwirken und auch der Absatz kleiner Mengen kann sich lohnen, da Speicherplatz billig ist und Produktionskosten entfallen. Das gilt auch und vor allem für Werbung. Google kann bereits teilweise zielgruppengerecht Werbung platzieren.
Und auf ABC können Folgen der bekannten und beliebten Serien „Lost“ und „Desperate Housewifes“ kostenlos angesehen werden, wenn man sich registriert und zwei 15-Sekunden-Werbeeinblendungen ansieht. Diese Werbeeinblendungen sind aufgrund der statistischen Angaben, die der User bei der Registrierung macht, auf die Person zugeschnitten und haben unglaubliche Klickraten. Leider für all diejenigen, die diese Serien regelmäßig vor den Fernseher locken, ist der Service auf USA eingeschränkt. Glaubt man Prof. Teplin, so wird unsere Zukunft äußerst mobil.

Unterschiedliches und Gleiches
An diesem Tag wurde mir vor allem ein riesiger Unterschied klar. In den USA ist man bereits ein großes Stück weiter im Paradigmenwechsel, dass nicht mehr Wissen Macht bedeutet und man deshalb sein Herrschaftswissen horten muss, um Erfolg zu haben, sondern dass derjenige erfolgreich ist, der als Vordenker Reputation erwirbt und sein Wissen großzügig mit anderen teilt. Frank Piller - geprägt durch die Zeit am MIT - hat uns in der nächsten Präsenzzeit dann auch den Begriff des Crowdsourcing näher gebracht. Auch eine spannende Idee, einfach die Nutzer mitbestimmen lassen. Dazu braucht es ein gutes Maß Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigene Idee.

Und die eine oder andere Idee aus den Staaten könnte auch bei uns gut funktionieren: Das ZDF hat gerade beschlossen seine neue Krimiserie "KDD - Kriminaldauerdienst" vor der Ausstrahlung im Internet verfügbar zu machen. Allerdings stehen hier keine Werbeinteressen dahinter, was uns ABC eindeutig noch voraus hat.

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